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Zwischen frommen Wünschen und der harten Realität |
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Wenn sich gläubige Christen aller Couleur zum 2. Fest der Ökumene in München versammeln, sollte man mehr erwarten als eine von "oben" arrangierte
Harmonie-Kundgebung.
So symbolisch sich die Kette der Gläubigen zwischen den beiden Gotteshäusern auch darstellen mag, so können derartig wohlgemeinte Aktionen nicht die dringend erforderlichen Diskussionen von strittigen Themen ersetzen oder übertünchen. Wenn die Amtskirchen - gemeint sind hier alle - sich dem Vorbild der Politiker anschließen und dazu tendieren die Probleme auszusitzen, sollten sie den Druck der ökumenischen Basis verspüren.
Die Wahrhaftigkeit des ökumenischen Miteinanders sollte man nicht durch solche durchorganisierte Stillstandsfeiern konterkarieren. Wenn es denn nicht
einige wenige Aufmüpfige gegeben hätte, wäre es nicht Wert gewesen diese Veranstaltung überhaupt zu erwähnen. Statt des gemeinsamen Gedenkens in
Form eines Abendmahls konnte man sich lediglich auf eine Brotsegnungsfeier nach "orthodoxem Ritus" einigen, an dem Gläubige aller Konfessionen
offiziell teilnehmen durften.
Die Grundvoraussetzung jeglichen kirchlichen Selbstverständnisses und dem Näherkommen in christlicher Gemeinschaft – die rückhaltlose gegenseitige Anerkennung war noch nicht einmal ein ernsthaftes Thema dieser angeblich ökumenischen Veranstaltung. In einem überfüllten Hörsaal der Münchner Technischen Universität beging der evangelischen Ruhestandspfarrer Eberhard Braun mit dem katholischen Theologen Gotthold Hasenhültl einen gemeinsamen „Ökumenischen Abendmahlsgottesdienst“, zu dem alle Konfessionen eingeladen waren. Pfarrer Braun betonte zu Beginn, dass „wir, die wir die Einheit Christi leben“, nicht unendlich warten dürfen, bis sich die Kirchenleitungen zu einer gemeinsamen Feier entschließen. Man feiere hier bewusst und verbotenermaßen in der Lima-Liturgie. Der Herr wird sich freuen, dass unser Gehorsam ihm gegenüber größer ist als jener gegenüber den Kirchenleitungen. Hasenhüttl forderte in seiner Predigt zum Protest gegen die Trennung des Abendmahls auf. Der Konflikt sei kaum zu verstehen, sagte der katholische Priester und zitierte den heutigen Papst Benedikt XVI. Dieser habe 1993 laut Hasenhüttl erklärt, die Gegenwart des Herrn sei auch beim evangelischen Abendmahl nicht zu leugnen!
Weil das der entscheidende Punkt ist, wo sich eben Katholiken und evangelische Christen bisher noch nicht
geeinigt haben und dies auch das Zentrum der Kirche ist.
Denn sie wird ja konstituiert durch Jesus Christus. Und das Abendmahl ist ja das Symbol
des Leibes Christi. Und wenn wir zum Leib Christi gehören, wie ja die Evangelischen und die Katholiken durch die Taufe zum Leib Christi gehören,
so ist das unglaublich, dass man sich gegenseitig den Leib Christi verweigert - vor allem von katholischer Seite.
Es fällt hier eine gewisse Parallelität der Worte auf, wenn man daran denkt, wie Papst Benedikt XVI die Ehelosigkeit der Priester bezeichnet hat - ebenfalls als ein "Geschenk Gottes". Auch hier hätte der Erzbischof längst entgegnen können, die Ehelosigkeit ist von Menschen gemacht und nicht von «Gott in die kath. Kirche hineingeschenkt» worden.
Welch ein einmaliges Ereignis wäre es gewesen, nicht nur mit "frommen Worten" den "neuen Aufbruch" zu wagen, sondern mit einer einzigen gemeinsamen
Tat - einem abschließendem gemeinsamen Abendmahl, ausgeteilt von Robert Zollitsch und Nikolaus Schneider - gemeinsam
für "alle" 100.000 Gläubigen. Hubers ökumenische Abschlussbilanz Bischof Huber äußerte sich enttäuscht über den Stand der Ökumene (Okt. 2009 -epd)
Er bedauere, dass es in seiner 15-jährigen Amtszeit als Berliner Bischof und in den sechs Jahren als Ratsvorsitzender der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nicht mehr ökumenische Fortschritte mit der römisch-katholischen Kirche gegeben habe,
sagte Huber in einem Interview.
Trotz der Erklärung zur Rechtfertigungslehre gab es Rückschritte „Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren Schwierigkeiten gehabt.“ Trotz der vor zehn Jahren verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre habe es Rückschritte gegeben. Als Beispiele nannte Huber die 2000 veröffentlichte Vatikan-Erklärung „Dominus Iesus“, die vom damaligen Kurienkardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., verantwortet wurde. Vatikan sieht in protestantischen Gemeinschaften keine Kirchen Darin wurde die römische Sicht bekräftigt, protestantische Gemeinschaften seien keine richtigen Kirchen. Diese Auffassung wurde 2007 vom Vatikan <<nochmals>> bestätigt. „Die Hoffnungen für einen Wandel in der Ökumene wurden erneut in eine ferne Zukunft verschoben“, bilanzierte Huber. Als Hoffnungszeichen für die Ökumene bezeichnete der Bischof den Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München. Dennoch sei in der Ökumene noch nicht genug erreicht worden, resümierte Huber. |
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Kommentar
(Red. ws) Häufig wird angeführt, in den Gemeinden selbst gäbe es offenbar weniger ökumenische Reibungflächen als in den "oberen" Bereichen. Nun gilt es den Versuch zu starten, ob dieses „Gefühl“ einer substantiellen Prüfung in der Praxis standhält. Es soll hier nicht der Fall Hasenhüttl und dessen unveränderte und fortwährende Aktualität nochmals aufgerollt werden. Jedoch soll an diesem praktischen Vorgang verdeutlicht werden, dass es sich hinsichtlich eines „gemeinsamen“ Abendmahls keinerlei positive Tendenzen zu vermelden gibt - leider. In der Praxis geht man hier häufig einen Seitenweg indem man kein gemeinsames „Abendmahl“ feiert, sondern „Agapefeiern“ veranstaltet. Diese Verweigerungshaltung ist umso bedauerlicher, da es gerade beim Abendmahl wohl um die elementarste Handlung im Gedenken an Jesus Christus geht. Wenn dies innerhalb der christlichen Kirchen praktisch unmöglich gemacht wird, spricht dies eine eindeutige Sprache. Ob diese von dem Oberhirten immer höher aufgetürmte Gegensätze jemals überwunden werden können erscheint zunehmend fraglich. Insbesondere wenn eine christliche Kirche wiederholt der anderen Kirche gar das << Kirchsein >> abspricht und damit nichts zur längst überfälligen Überwindung der Ansichten beiträgt, sondern sogar das grundlegende Selbstverständnis des Gesprächspartners wiederholt in Abrede stellt. Insbesondere gewinnt man in den letzten Jahren verstärkt den Eindruck, als habe der Protest jenes mutigen Mönchleins erst unlängst stattgefunden. Nachdem der erfahrene Kirchenmann Huber die Verwirklichung der Ökumene in eine << unbestimmbare Ferne >> gerückt sieht, wollen wir am Beispiel von ökumenischen Gottesdiensten, die als durchaus "eingefahren" und bislang als relativ unproblematisch galten, aktuell von der Basis einer saarländischen Landgemeinde berichten.
Ökumene in der täglichen Praxis
Wie die Saarbrücker Zeitung meldete hat die katholische Kirchengemeinde Namborn (Saarland) die Teilnahme am ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Neujahrsempfang der Gemeinde abgesagt. Obwohl es in den vergangenen Jahren nie Probleme mit der am Vormittag stattfindenden gemeinsamen Feier beider christlichen Kirchen gab, wurde nun die Tageszeit laut Bistum Trier entscheidend für Absage. Gemäß dieser Meldung darf ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntagmorgen, entsprechend einer Erklärung der deutschen Bischöfe, das Hochamt der kath. Kirche nicht ersetzen. Eigene Recherchen ergaben, dass hier wohl buchstabengetreu gemäß den „Richtlinien für die ökumenische Praxis“ der Deutschen Bischofskonferenz gehandelt wurde. In diesem Dokument wird die Unabdingbarkeit des sonntäglichen Hochamtes klar herausgestellt. Es darf keine Eucharistie aufgrund der Teilnahme an einem ökumenischen Gottesdienst versäumt werden. Demgemäß ist auf Werktage oder entsprechende Feiertage auszuweichen. Unter Punkt 5: (Auszug, Deutsche Bischofskonferenz) Darum können ökumenische Wortgottesdienste nicht die sonn- und festtägliche Eucharistiefeier ersetzen. Sie sollen in der Regel an Werktagen stattfinden. |
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Anmerkungungen Es muss jeder Kirche zugestanden werden sich eigenständig zu definieren. Daher sollte sich keine Kirche anmaßen die Selbstdefinition einer anderen Kirche mit dem Postulat der Unfehlbarkeit selbst übernehmen zu wollen. Falls dies dennoch und sogar wiederholt geschieht, wird das ohnehin immer zerbrechlicher werdende gemeinsame Band noch weiter geschwächt. Wie grundlegend gerade diese Absprechung des elementaren Selbstverständnisses die Ökumene weiter ins Abseits treibt, zeigen einige Äußerungen: „Die evangelische Kirche wird nicht den Primat des Papstes anerkennen“ ; „Die katholische Kirche müsse sich die Frage stellen lassen, worin nach ihrem Verständnis das Ziel ökumenischer Verständigung bestehen solle“, so Huber. Dagegen wies Kardinal Walter Kasper, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kritik an dem Dokument zurück - << mit seiner Klarheit fördere es den Dialog >>, äußerte er sich zur FAZ. Gegensätzlicher können die Standpunkte wohl kaum dargestellt werden. Über diese grundlegenden Schwierigkeiten kann die vertrauensvolle Zusammenarbeit der deutschen Kirchenvertreter von EKD und der DBK nicht hinwegtäuschen. Wie wenig Einfluss selbst ein honoriger Vertreter wie Kardinal Lehmann gegenüber dem Vatikan hat, konnte jeder in dem zurückliegenden Zeitraum erkennen – siehe Geschiedenenproblematik und Schwangeren-Konfliktberatung. Die Kirchenoberen der DBK können zwar für eine harmonische Begleitmusik sorgen, jedoch wird einzig im Vatikan entschieden was in welchen Form intoniert wird. Es ist für jeden sichtbar, dass in dem ökumenischen Verständnis, seit dem Pontifikat Bendikts XVI, eine deutliche Rückentwicklung zu den Standpunkten der vorkonziliären Ära eingetreten ist. Dies geht nicht nur aus den Öffnungstendenzen hin zu den Ultrakonservativen innerhalb und außerhalb der Amtskirche hervor, sondern wird in vielen Details der neuen Kirchenpolitik des Vatikans sichtbar. Dem zarten Pflänzchen des religiösen Miteinander einschließlich der gegenseitigen Achtung, hat das Oberhaupt der rom. kath. Kirche eine persönliche Konfrontation gegenübergestellt. Dieser Papst vermag möglicherweise mit vielen Zugeständnissen eine ausgegrenzte Bruderschaft reintegrieren, jedoch wird ihm dies bei einer selbstbewussten und sich seit Jahrhunderten fortentwickelten reformierten Kirche versagt bleiben. Diese "Nichtkirche im eigentlichen Sinn" wird in jenen offenbar für sie angedachten Selbstverleugnungsakt nicht einstimmen. Was bleibt ist die Hoffnung auf den deutlich spürbaren Druck der Basis. Fragen Wenn man die jüngere Zeit nach dem vatikanischen Konzil Revue passieren lässt und insbesondere das jetzige Pontifikat gezielt hinterfragt, kann man da an eine sinnvolle und auf << gegenseitige >> Toleranz bauende Ökumene noch weiter verfolgen ? Kann man mit einem Partner überhaupt noch sinnvoll Meinungen austauschen, wenn das eigene Selbstverständnis wiederholt negiert wird ? Worin kann das Ziel ökumenischer Verständigung unter diesen Voraussetzungen noch bestehen ? Sollten wir nicht Konsequenzen ziehen, wenn der durch das Konzil aufgezeigte Weg nicht fortentwickelt wird, sondern die schon überwunden geglaubten Verhaltensweisen wieder verstärkt Einzug halten ? Ist es daher nicht angeraten, der abfallenden Toleranzbereitschaft des Vatikans Rechnung zu tragen und sich ebenfalls umzuorientieren ? Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann und der "Männerklub" im interreligiösen Bereich Was für die Protestanten eine Selbstverständlichkeit ist - eine Frau der Spitze der Kirche zu wissen - ist für andere ungewohnt, herausfordernd, beunruhigend, zum Teil auch unfassbar und führt demgemäß zu entsprechenden Reaktionen. Hier einige Reaktionen zu diesem EKD-Internen Vorgang: Erzbischof Robert Zollitsch freut sich auf die ökumenische Zusammenarbeit mit der Bischöfin Margot Käßmann. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Freitag im Gespräch mit Radio Vatikan. Käßmann ist am Mittwoch zur Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands, kurz EKD, gewählt worden. Zollitsch ging darauf ein, dass manche italienische Zeitungen Frau Käßmann als "papessa Margot" vorgestellt haben: die "Päpstin Margot". “Die Zeit dazu ist noch nicht reif“, sagte der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Konferenz, Robert Zollitsch, in einem Interview der Nachrichtenagentur DAPD. Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hofft dagegen weiter, dass noch zu ihren Lebzeiten evangelische und katholische Christen offiziell diesen zentralen Ritus des Christentums gemeinsam begehen können, wie sie der DAPD sagte. Dass seit Ende Oktober mit Käßmann eine Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland steht, habe für die Katholische Kirche keine negativen Folgen in der Zusammenarbeit. “Ich habe Frau Landesbischöfin Käßmann als außerordentlich offen und herzlich erlebt und bin mir sicher, dass wir im ökumenischen Gespräch gut vorankommen“, betonte Zollitsch. Doch dass Frauen in der Kath. Kirche das Priesteramt nicht ausüben können, wird bis auf weiteres auch so bleiben. Auch Käßmann erklärte, sie habe keine Vorbehalte von katholischer Seite gespürt. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz habe ihr sofort nach ihrer Wahl zur Ratsvorsitzenden persönlich gratuliert. Ihr erster offizieller Besuch als Ratsvorsitzende habe Zollitsch gegolten. Ein Besuch beim Papst sei derzeit allerdings nicht geplant. Sie sei für Deutschland zuständig, nicht für die Welt. Moskau - Die Russisch-orthodoxe Kirche erklärt, sie könne die Beziehungen zur EKD nach der Wahl von Margot Käßmann zur Ratsvorsitzenden nicht mehr fortführen. 50 Jahre fruchtbarer ökumenischer Beziehungen stehen vor dem Aus. Die Berufung von Frau Käßmann zum Oberhaupt der Evangelischen Kirche scheint jedoch das Fass der Geduld zum Überlaufen zu bringen. Nach der orthodoxen Lehre ist es völlig unmöglich, einer << Frau >> ein geistliches Amt zu übertragen. Die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischöfin Margot Käßmann und Bischof Martin Schindehütte, Leiter der Auslandsabteilung der EKD, haben in einem gemeinsamen Brief an den Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK), Kirill I., zu Äußerungen von Vertretern des Außenamtes der ROK Stellung genommen. „Mit Verwunderung und großem Unverständnis“, so heißt es in dem Schreiben, nehme man zur Kenntnis, dass „einige Vertreter des Außenamtes der ROK“ die Wahlen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland in Ulm in „unangemessener Weise“ kommentiert haben. Moskau - Die russisch-orthodoxe Kirche (ROK) will nach der Wahl von Bischöfin Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden ihre Kontakte zur Evangelischen Kirche in Deutschland doch nicht abbrechen. Allerdings sei ein Neustart der Beziehungen nötig, sagte ein ROK-Sprecher heute. „Uns beunruhigen die liberalen Prozesse, die in den westlichen Kirchen passieren. Die Wahl Käßmanns zur Kirchenvorsitzenden ist für uns eine Herausforderung“, so der stellvertretende Leiter des kirchlichen Außenamts Filip Rjabych heute gegenüber RIA-Novosti. |
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